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Neue Osnabrücker Zeitung, 28.05.2018:

Werke des 20. und 21. Jahrhunderts
Strahlender Klang: Kammerchöre geben Konzert in St. Johann

Osnabrück. Der Kammerchor St. Johann teilte sich am Samstag ein Konzert mit Werken des 20. und 21. Jahrhunderts mit dem Hugo-Distler-Ensemble aus Lüneburg.

Schwungvoll geht das muntere Wechselspiel hin und her in der berühmten Vertonung des 100. Psalms von Heinrich Schütz: „Jauchzet dem Herrn“. Zwei gleichwertige Chöre sind dazu angetreten, der Kammerchor St. Johann als einer der besten Chöre Osnabrücks hat mit dem Hugo-Distler-Ensemble einen der vermutlich besten Chöre Lüneburgs zu Gast.

Christian Joppich setzt beim gemeinsamen Beginn manche Nuance besonders in Szene („Denn der Herr ist freundlich“), geht aber grundsätzlich mit Elan an das Stück heran. Abgesehen von dem Stück von Schütz zu Beginn und einem Stück Verdis am Schluss ist das gesamte Programm dem 20. und 21. Jahrhundert vorbehalten. Mit dem Kyrie aus Frank Martins doppelchöriger Messe beginnt der Kammerchor St. Johann, der den ersten Teil des Konzerts alleine bestreitet – wie im Französischen üblich, klingt es hier „Kirie“. Stark sind die Osnabrücker in den expressiven Klängen, die schon bald mächtig im Raum stehen, kraftvoll flutet der Chor die Kirche mit seinem strahlenden, leuchtenden Klang. Christian Joppich bleibt selbst in ruhigeren Passagen bei straffen, recht zügigen Tempi.

Ganz anders Erik Matz, Chorleiter des Hugo-Distler-Ensembles, der deutlich mehr Ruhe hat und offenbar die meditativen Qualitäten stärker schätzt. Die enorme Schlagkraft der Osnabrücker ruft er bei seinem Chor nicht ab, der insgesamt verhaltener und weniger strahlend klingt, dafür weicher. Beide Ensembles sind somit klanglich klar zu unterscheiden. Als „Spezialeffekt“ bieten die Lüneburger bei Buchenberg und Ešenvalds zwei verschiedene, klanglich sehr angenehme Sopransoli, eins in eher tiefer Lage, eins heller und leichter, beide schlicht und entspannt gesungen. Herausforderungen für das Ohr bieten die Werke wenig, solche für die Sänger hingegen schon, denn auch das Hugo-Distler-Ensemble hat sich recht anspruchsvolle Literatur gewählt, bewältigt sie aber mit konzentriert-sorgsamem Vortrag, reiner Intonation und guter Balance.

Selten wohl ist ein 60-köpfiger Chor so gut besetzt, und so sind weitere gemeinsam gesungene Stücke von Vytautas Miškinis, Giuseppe Verdi und als Zugabe von Josef Rheinberger ein besonderer Genuss.

(Jan Kampmeier, Neue Osnabrücker Zeitung, 28.05.2018)


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